Woman Outsider

718 in Fläschchen gefangene Seelen in Puppengestalt hängen an Fäden an einer gigantischen Hängevorrichtung. Josette Rispal (*1946, lebt in Paris) schafft eine fantastische Welt aus Puppen, die zuweilen lebensgross sind, begleitet von Masken und Lichtskulpturen. Sie bestehen aus Fundstücken, die mit edlen Materialien wie Bronze, Muranoglas oder Schmucksteinen kombiniert sind. Mit ihnen erschafft die Künstlerin ein von Gefühlen, Erinnerungen und Träumen atmosphärisch aufgeladenes Universum.

 

 

 

 

 

 

 

Josette Rispal  ist eine von neun Künstlerinnen, die der Aussenseiterkunst zugeordnet werden können. Es fällt auf, dass die Mehrzahl der Werke der Aussenseiterinnen Sabrina Gruss, Olivia Etter (*1956, lebt in Zürich), Vivianne De Bueren (1927-2016), Christiane Alanore (*1924, lebt in Cannes), Ida Buchmann (*1911-2001), Giuseppina Pastore (*1940-2000), Judith Scott (*1943-2005) und Rosemarie Koczy (1939-2007) ungeheuer authentisch sind und vor Originalität strotzen. Materielle Einschränkungen scheinen nicht zu existieren. Diese Frauen kümmern sich weder um traditionelle Kunstbegriffe, gesellschaftliche Normen noch um konventionelle Lebensformen; sondern sie sind ganz sich selbst. Wir begegnen Wunderbarem, Unergründlichem und Heiligem. Keine Frau ist von den dunklen Seiten der Existenz verschont geblieben, welche sich in ihren Werken einzigartig manifestieren, und so in einer jeden Frau gewidmeten Nische zum Tragen kommen.

 

Dass Kunst eine Art sein kann, wie Menschen ihr Schicksal akzeptieren und es in etwas Magisches verwandeln, führt das mit Totentanz-Motiven angereicherte Gruselkabinett von Sabrina Gruss (*1986, Paris, lebt in der Provence) geradezu exemplarisch vor Augen. Mit zahllosen Fundstücken, auch mit sterblichen Überresten von Tieren erschafft sie Mischwesen, die eigenartig berühren und doch fremd sind. In einem Interview mit Jennifer Gori im «Beautiful Bizarre Magazine», Juni 2014, erklärte die Künstlerin, dass sie durch ihre Skulpturen lerne, die Angst vor dem Tod zu überwinden. «Jede meiner «Kreaturen» verbirgt ihre geheime Geschichte, die ich erfahren werde und die sich irgendwann mit meiner mischen wird. Ich begrabe sie, dann grabe ich sie aus, setze sie neu zusammen, ... . Dieses Aufeinandertreffen zwischen Tod und Kunst, entweder tragikomisch oder poetisch, fasziniert mich. Ich weiss nicht, ob die Verwendung von Knochen anderen hilft, ihren eigenen Tod leichter zu akzeptieren, aber für mich ist es so.»  

 

Musée Visionnaire, Zürich, bis 30. 9.

Kontakt:

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