Pietro Mattioli – lunar caustic

Pietro Mattioli kreist mit neuen Arbeiten um die Künstlerkolonie «Maler und Bildhauer, Wuhrstrasse 8/10», die der Arbeit und dem Sein von Kunstschaffenden als Hülle dient. Den Bau verdichtete Mattioli zu hermetisch wirkenden Objekten und seine übersehenen Winkel zu Metaphern eines lebendigen Organismus.

Ein Touch von Swissminiatur eignet diversen, auf niederen Sockeln ruhenden Architekturmodellen, was einer Vogelperspektive gleichkommt. Sie sind mit verschiedenfarbigen Glasuren überzogen; so macht ein mit Grün überzogenes Objekt den Eindruck, als sei es mit Efeu oder Moos überwachsen. In ihrer kleinformatigen Dimension kontrastieren die Modelle mit dem Inkjet-Print einer im Massstab 1 : 1 abgebildeten Wohnungstüre. Diese eröffnet eine eigenständige Räumlichkeit, ist dadurch in den Galerieraum integriert und schafft mit den Architekturmodellen unterschiedliche Bezugsysteme. Die gesamte Installation ist eine Hommage an die seit 65 Jahren bestehende Baugenossenschaft «Maler und Bildhauer, Wuhrstrasse 8/10», deren Präsident Pietro Mattioli (*1957, Zürich) ist. Das 1953 von Ernst Gisel erstellte Atelierhaus in Zürich Wiedikon war einst legendär, diente sie doch einer Reihe von namhaften Künstlern wie Friedrich Kuhn, Carlotta Stocker, Hans Aeschbacher, Otto Teucher und anderen als Wohn- und Wirkungsstätte.

 

Die silbern schimmernden, seriell angelegten Fotografien unter dem Titel <Lunar Caustic>, was Silbernitrat bedeutet, beziehen sich auf die mittelalterliche Alchemie. Schon damals kannten die Alchemisten die Heilwirkung von Silbernitrat, so zum Verätzen von Wunden. Überdies ist Silbernitrat, und die damit hergestellten Silberhalogenide, wichtig für die Fotografie. Momente aus dem Hof des Atelierhauses, so der Kiesboden, Haus- und Atelierwände oder ein Weichselbaum, sind mit einer unscharf eingestellten Kamera abgelichtet. Die Fotografien hat Mattioli mit dem Drucker, teilweise mit grauer Farbe, weiter bearbeitet, sodass sie optisch weicher wurden. Auf die so entstandenen Abzüge, die als Bildträger fungieren, setzt der Künstler, einem bestimmtem System folgend, punktartig Kunstharzlackfarben. Aus dem Fliessverhalten der Farben entfalten sich quasi eigenständig biomorphe Wesen, die sich mal als liebliche Raupen entpuppen, mal als domestizierte Punkte definieren, mal als geschwürige Konfigurationen aus dem Bildgeviert zu wuchern scheinen. Derart entsteht ein Spiel zwischen Tiefe und Nähe und den realen Farbpunkten. Die dunkelgrauen und schwarzen Bilder, die teilweise ein hartes Licht-Schatten-Spiel evozieren, erinnern an den 80-teiligen Zyklus <Nacht> von 2006/07. Die Suggestionskraft dieser Bilder erzeugt ein Gefühl von Vertrautheit und Gemeinschaft, das über die Zeiten hinweg dauert und das eine einzigartige  Entsprechung zur Atmosphäre der geschichtsträchtigen Künstlerkolonie findet.  

 

 

Pietro Mattioli, Lunar caustic, Galerie lange + pult, bis 18.5.

 

www.langepult.com

 

 

 

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