Ian Anüll: Untitled®. Arbeiten auf Papier

Mit anarchischem Impetus unterwandert Ian Anüll bestehende Werte und Mechanismen, sampelt Fundstücke aus der Konsumwelt, den Massenmedien sowie der Kunst der Moderne. Die Ausstellung mit Arbeiten auf Papier aus fünfzig Jahren gewährt einen tiefen Blick in Ian Anülls Schaffen, das oft den Zufall walten lässt.

Die Kehrseiten unserer Werbe- und Markenkultur und die damit einhergehenden Marktmechanismen und Machtstrukturen treiben Ian Anüll (*1948, Sempach, lebt in Zürich und Paris) schon lange um. Zum subversiven Spiel mit Marken passt das Kürzel für Registered Trademark ®. Die eingetragene Handelsmarke durchzieht Anülls Schaffen leitmotivisch und prangt auf der Einladungskarte, die einen Hund mit heraushängender Zunge mit eben diesem Symbol zeigt.

 

Wenn ein Kunstwerk mit Labels versehen wird, sinkt es zur blossen Ware herab. Mit dem Kunstmarkt treibt Anüll seine Eulenspiegeleien. Da er sich auf dem Markt behaupten will, ist er Teil eines merkantilen Systems. Deshalb bezieht er mit einem Markenzeichen strategisch Position. Was würde sich da nicht besser eignen als just das universelle Trademark-® zum eigenen geschützten «Warenzeichen» zu erklären. Dies umso mehr, als Anüll sich nicht als Künstlerindividuum in Szene setzen will, und in seiner multimedialen Arbeit und der Vielfalt von Stilen und Materialen bewusst auf eine wiedererkennbare Handschrift verzichtet.

 

       Lieber rekurriert er auf den Duchamp’schen Kunstgriff der Dekontextualisierung von Alltagsobjekten oder veranschaulicht den Benjamin’schen Diskurs über das technisch reproduzierbare Kunstwerk, indem er unser Wertesystem hinterfragt, etwa Abfall in Kunstwerke verwandelt und somit das Wertlose aufwertet. Aus Schokolade und blauer Wasserfarbe zaubert er einen Totenschädel oder spielt mit einem roten Verpackungsstreifen auf Papier auf Lucio Fontanas Schnittbilder an. Eine Million Dollarnote spricht von toxischen Wertpapieren, während die Kuh im Hintergrund wohl die Quelle der Wertschöpfung repräsentiert. Mit der neuen Werkreihe <Lackskins> verwandelt er Reproduktionen von Originalen, nämlich Einladungskarten für Vernissagen, in neue Originale.

 

Anülls Strategie besteht darin, alles infrage zu stellen oder mit dadaistischer Attitüde zu konsternieren. Antworten liefert er nicht, Widersprüche bleiben bestehen. So hat er in einem Skizzenheft die Frage hingekritzelt: «Hat die Malerei den Maler oder der Maler die Malerei verlassen?» Damit reflektiert er zugleich die verschiedenen Denkversionen. Dass sich in Anülls Werk gesellschafts- und medienkritische Themen mit poetischem und hintergründigem Sinn und einem gerüttelten Mass an Ironie paaren, zeigen etliche Arbeiten: So stellt er in der Zeitungsollage <Duell> #1, 2017, Trump und Kim Jong-un einander diagonal gegenüber. Beide halten ein Gewehr im Anschlag, doch so, dass sich die zwei Waffen ineinander verkeilen und völlig wirkungslos sind. 

 

 

 

Ian Anüll: Untitled®. Arbeiten auf Papier. Kunstmuseum Solothurn, bis 13.5.

 

www.kunstmuseum-so.ch

 

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