Schmuck. Material Handwerk Kunst

Betörende bis trashige Schmuckstücke werfen ein Licht auf das urmenschliche Schmuckbedürfnis im Spiegel historischer Epochen, sozialer und technologischer Veränderungen. Seit der Moderne entspricht Schmuck vornehmlich individuellen Wunschvorstellungen.

Eine über eine ausladende Muschel drapierte vierreihige Perlenkette lockt die Besucherin an; nicht minder eine pompöse Kette aus rohen Rosenquarzbrocken oder prunkvolle Korallenketten. Dazwischen thronen Prachtsexemplare von Bergkristallen, eines Turmalins, Achats oder eines Amethyst. Die Ausstellung geht dem seit jeher bestehenden Schmuckbedürfnis des Menschen nach; sei es für Kult-, Repräsentationszwecke, Machtgebärden oder als Statusmerkmal, Erinnerungsstück oder Zierde. Ausgehend von archäologischen Exponaten führt der Parcours bis in die Gegenwart und beleuchtet neben dem handwerklichen Aspekt der Schmuckherstellung eine Vielfalt von Ausgangsmaterialien. Der Fokus liegt auf den Goldschmieden des 20. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischen Schmuckkünstlern wie Hans Stofer (*1957, CH) oder Bernhard Schobinger (*1946, Zürich). Diese verfolgen einen individuellen künstlerischen Ansatz und fühlen sich keinem Formen- oder Materialkanon mehr verpflichtet. Den Auftakt bilden da Vertreter von Jugendstil und Art Déco wie Josef Hoffmann oder René Lalique, der an der Pariser Weltausstellung von 1900 wegweisende Schmuckstücke präsentierte. Paris hatte damals eine grosse Ausstrahlung, war es doch für avantgardistische Künstler und Künstlerinnen attraktiv. Schweizer Pionierinnen wie die erste Schmuckgestalterin Europas, Marie Bedot-Diodati, entwickelten ihren eigenen innovativen Stil. Präsentiert ist hier auch der mit Fell beklebte Armreif von Meret Oppenheim.

 

Dieses legendäre Stück befindet sich auch in der GEMS AND LADDERS Kollektion. Gegründet 2014 von Thomas W. Bechtler und Alexandre Pertot folgt sie einer Philosophie, «die auf der Kombination von künstlerischer Kreativität mit handwerklichem Geschick basiert» und belebt so die lange Tradition von Künstlerschmuck. Regelmässig werden zeitgenössische Kunstschaffende eingeladen, für die Kollektion neue Stücke zu entwerfen. Zurzeit hat der deutsche Bildhauer und mit dem goldenen Löwen der Biennale Venedig 2009 ausgezeichnete Tobias Rehberger (*1966) drei Ringe mit den Titeln «Yes, No, Maybe» entworfen. Klassische Ringfassungen aus jeweils Gold, Silber und Bronze überzog er mit einer Farbschicht, die in ihrer Beschaffenheit an Plastik erinnert. Die darunter verborgenen Edelmetalle kommen lediglich durch das Tragen und die Abnutzung der Ringe zum Vorschein, nämlich auf der Innenseite, wo «Yes», «No» und «Maybe» eingraviert sind. Damit thematisierte Rehberger den unsichtbaren Wert eines Schmuckstücks, welcher von den Wertmassstäben des Trägers abhängig ist.  

 

 

Schmuck. Material Handwerk Kunst, Landesmuseum Zürich, bis 22.10. 2017      www.landesmuseum.ch

 

GEMS AND LADDERS LTD, Uster.   www.gemsandladders.com

 

 

 

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