Hans Krüsi, Gebhard Hafner und Emil Medardus Hagner — Drei stadtbekannte Zürcher Originale

Das waren noch Zeiten, als es noch echte Stadtoriginale in Zürich gab. Für uns Normalos lebten sie unsere latent wilden Seiten aus.

Der in St. Gallen lebende Hans Krüsi (1920-1995) verkaufte an der Bahnhofstrasse Blumen und seine Zeichnungen im Postkartenformat. Emil Medardus Hagner (1921-1999) war als «Märchenmaler von Zürich» und Gebhard Hafner (1931-2003) als «Strassenwischer vom Bellevue» bekannt. Während Hans Krüsi an seinem ausgeschmückten Tornister und einem mit Blumen verzierten Hut zu erkennen war, trug Emil Medardus meist Efeublätter und Amethysten auf sich und Gebhard Hafner seine orange Arbeitsweste mit der Würde eines unbekannten Dichters. Hafner begann erst nach seiner Pensionierung zu malen. In der kurzen Zeit von nur drei Jahren schuf er eine grosse Anzahl an Werken. Er schrieb Gedichte und spielte leidenschaftliche gerne Schach, was ihn zu seinen geometrischen, oft kaleidoskopartigen Kompositionen inspiriert haben mochte. Seine der konkreten Kunst verwandten Bilder von einer energetisierenden Farbigkeit stehen den fantastischen, von Fabelwesen bevölkerten Bildwelten des verträumten Emil Medardus Hagner gegenüber. Dessen Sehnsucht nach fernen Ländern und Völkern lebte er in seinen Zeichnungen aus, denn reales Auswandern war ihm unheimlich. Die vom Solothurner Auswanderer Yule Kilcher gedrehten Filme über Alaska inspirierten ihn zum Comics «Huck geht nach Alaska», 1966. Doch während Hagner unter seinem verkannten Künstlerdasein litt, war Hans Krüsi schon Zeit seines Lebens für seine auf Bierdeckeln, Servietten und Packpapier festgehaltenen Szenerien von Kühen, Landschaften und Menschen berühmt. Die Motive sind oft in scherenschnittartiger Symmetrie oder serieller Wiederholung angeordnet. Mit den Ausstellungen in der Buchmann Galerie in St. Gallen und der Galerie Anton Meier in Genf Anfangs der Achtzigerjahre wurde die Aufmerksamkeit der Schweizer Presse und der Kunstszene auf den Sonderling gelenkt. Mittlerweile hatte er soviel Erfolg, dass er von seiner Kunst leben konnte. Seine Selbstinszenierung als Künstler ging so weit, dass er seine Werke zuweilen mit «Hans Pygasso Krüsi» signierte. 1991 erschien die bisher einzige, bebilderte Werkmonographie. Als er im September 1995 an einem Lungenemphysem starb, war er ein reicher Mann. In der Ausstellung sind neben Werken seines dem Kunstmuseum Thurgau gewidmeten Nachlasses Leihgaben von privaten Besitzern zu sehen, die mit persönlichen Geschichten und Erinnerungen in Textform ergänzt sind. 

 

 

Musée Visionnaire. Drei Geschichten aus Zürich, bis 23.12.2017                 www.museevisionnaire.ch

 

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