Gasträume 2017 — Kunst auf öffentlichen Plätzen Zürichs

Ein Eisbär am Paradeplatz vor der Credit suisse, ein Stern, der sich in den Boden gebohrt hat oder eine Einladung zu einem ungewöhnlichen Raumerlebnis. Dies sind einige der Werke und Interventionen, die Zürich öffentliche Plätze einen Sommer lange bevölkern.

 

Seit 2010 organisiert die Arbeitsgruppe <Kunst im öffentlichen Raum> (AG KiöR) zusammen mit renommierten Galerien, Off-Spaces und diversen Institutionen dieses Ausstellungsformat unter dem Titel <Gasträume>, das mittlerweile institutionalisiert ist. Besonders angesichts der rasanten Stadtentwicklung Zürichs soll die Bedeutung der Gegenwartskunst öffentlich sichtbar gemacht werden, um einen unmittelbaren Dialog zwischen Kunst und Menschen zu schaffen und die Wahrnehmung des städtischen Lebensraums zu schärfen. Neben sporadisch stattfindenden Performances sind 18 Standorte in der Innenstadt, in Zürich-West und in Altstetten mit teils speziell dafür konzipierten Kunstwerken bestückt. Dieses Jahr ist der Skulpturenrundgang den zahlreichen, hochkarätigen, im öffentlichen Raum platzierten Werken von Gottfried Honegger (1917-2016) gewidmet und zwar anlässlich seines 100. Geburtstages.

 

Den kollektiven Gedächtnisverlust und den weltweit wachsenden Nationalismus spricht die Installation <Erasing> von Artur Zmijewski (*1966) an. Mit einer Reihe von Grabsteinen, deren Inschrift der Künstler «ausradiert» hat, und einer Videoarbeit verweist er auf die lange Zeit währende, kulturelle Diskriminierung der deutschen Minderheit in Polen seit dem 2. Weltkrieg. Unter beängstigendem Gedächtnisverlust leiden auch die Akteure des internationalen Finanzkapitals. Darauf verweist Kerim Seilers (*1974) Eisbär-Skulptur aus weissem Carrara-Marmor, steht sie doch hier nur indirekt als Ikone des Kampfes gegen den Klimawandel. Mit dem Titel <Ours d’après Régine Gallard> behauptet Seiler einen kunsthistorischen Bezug, der sich jedoch als Fiktion entpuppt. Ein Stoff, aus dem zahllose internationale Finanztransaktionen gebastelt sind. Dem halten Mickry3 (Christina Pfander, Dominique Vigne, Nina von Meiss) mit einer ausladenden Plastik ihre Liebesbotschaft entgegen. Sie besteht aus grossen Emojis aus Gasbeton. Eine von Weitem sichtbare, gestreifte Hand fungiert als Wegweiser auf die etwas versteckte Wipkinger Terrasse. Mickry 3 interpretieren die Weiterentwicklung der Plastik in Zusammenarbeit mit Jugendlichen als «einen Akt der Liebe, sozusagen ein Geschenk für die Quartierbewohner».     

 

Gasträume 2017. Kunst auf öffentlichen Plätzen Zürichs/Public Art in Zurich, bis 3.9.

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