Sara Masüger — Don’t worry I’ll organize your Memory

 

 

 

Sara Masüger visualisiert mit Körperfragmenten aus Zinn Erinnerungsvorgänge, die sich im Arbeitsprozess bald als abstraktes, bald als figuratives Formenvokabular herausbilden. Das Einfrieren von ephemeren Momenten und von körpereigenen Erinnerungen steht exemplarisch für ihr Schaffen.

«Achtung, die Wände haben Ohren» mag in heiklen Situationen als Mahnung geäussert werden. Diese scheint Sara Masüger (*1978, Zug) in einem Raum der Galerie umgesetzt zu haben, indem sie die Wände mit kleinen, zerfliessenden Ohren aus Zinn bestückt. Das Phänomen des Zergehens ist in ihren Arbeiten allgegenwärtig. Bald sieht man Hände in einer gitterartigen Struktur verfangen, bald Fragmente von Gesichtern. Je nach Standort des Betrachtenden verändern sie ihre Gestalt. Bald überwiegt der Eindruck eines Körperfragments, bald zerlaufen die Formen und erinnern an abstrakte Gebilde, bald lösen sie sich in bizarre Objekte auf oder kippen in bruchstückartige Konfigurationen. Diese fragilen Objekte bekommen Halt durch die Präsenz der schwarzen hohen, den Raum dominierenden Skulpturen.

 

Mittels Gusstechnik schafft Sara Masüger Werke aus Zinn, Styropor, Holz oder Epoxidharz, Eisen und Acrystal. In einem grossen Ofen produziert sie die Zinngüsse selbst. Dazu schmelzt sie alte Trophäen, Krüge und Teller ein. Der Arbeitsprozess ist der Künstlerin sehr wichtig, besonders da Zinn im Vergleich zu Aluminium viel sinnlicher und wärmer ist und sich einfacher treiben lässt. Eine auf einem weissen Sockel positionierte schlangenartige Konfiguration aus der Serie <Kinetic replacement I>, 2016, lässt aus der Nähe betrachtet auseinander hervorgehende Hände erkennen, die mitten in ihren Bewegungen eingefroren zu sein scheinen. Diese Geste erinnert an Strategien der Futuristen, die mit bildnerischem Dynamismus die Bewegung in der Kunst zu integrieren suchten. Gleichzeitig kann das Fliessende sowie das in einer Bewegung Innehaltende mit der Flüchtigkeit des Daseins, mit der Veränderung der Erinnerung im Laufe der Zeit assoziiert werden. Hatte dafür nicht Salvador Dali mit seinen berühmten zerlaufenden Uhren eine bannende Metapher geschaffen?

 

Beim Arbeiten mit den Körperfragmenten interessiert Sara Masüger die körpereigene Erinnerung, zumal die Deformationen der Körperfragmente auf Verwundbarkeit und Zerfall schliessen lassen. Die Erinnerung versucht sie als Prozess der Verzerrung sichtbar zu machen. «Dabei ist mir wichtig, dass man zum einen Körperfragmente erkennt, sie zum andern aber auch wieder verliert, indem das Material (durch die bizarren Formen) dieselbe Wertigkeit bekommt. Dies hat viel mit dem Arbeitsprozess zu tun. Ich beginne mit einem Vorstellungsbild und versuche dieses dann durch entstehende Fehler zu verlieren oder weiter zu denken. Daher baue ich auch die Gussformen selbst.» 

 

 

         Barbara Seiler Galerie, bis 15.4.     www.barbaraseiler.ch

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