Sabian Baumann — Porträts

Sabian Baumanns Grundaussage, dass wir ein «Patchwork der Welt» sind, spiegelt sich in surrealen, traumartigen, hybriden Bildwelten, in einer Comics- und Fantasy- Sprache, welche selbst völlig Disparates kombiniert. Die Ausstellung bei Mark Müller öffnet ein Fenster in eine eigene Welt offener Denkräume.

 

 

Bisher wusste ich nicht, dass selbst die Sonne depressiv sein kann, was einen letztlich nicht erstaunt angesichts all der schmutzigen Stellvertreterkriege, die alte Kulturen ihrem Untergang entgegenbomben. Sabian Baumann (*1962) hat eine Sonne mit zackigen Strahlen aufs Papier gebannt. Deren Gesicht ist zur Hälfte von einem schwarzen Planeten verschattet, und tränengleich entströmen der Sonnenscheibe zeichnende Hände. Im Blatt «Selbst in kosmischer Form», 2016, gestalten sie verschiedenste rätselhafte Bildfindungen und Symbole des kollektiven Gedächtnisses in den Raum. Es zeigt eine vielarmige,- beinige, -köpfige Gestalt und ist von einer Darstellung des hinduistischen Gottes Krishna inspiriert. Real-surreale Beine besiedeln die Bereiche über und unter dem Boden. Baumann verweist damit auf die hinduistische Philosophie, wonach Leben und Tod an ein ewig drehendes Rad gebunden sind. Sonne, Mond, Gespenster und eine meditierende Buddhafigur bilden die Eckpunkte dieses vielfältigen, sich unendlich entwickelnden und ausdehnenden Kosmos, der von einem Lebensbaum abgeschirmt ist.

 

Es ist eine Art Programmbild. In wunderlichen Sujets und Narrationen thematisiert der Künstler* neben existentiellen Fragen Befindlichkeiten, Behinderungen und gesellschaftliche Aspekte. Zentral ist dabei die sich durch unsere Prägungen immer weiter entwickelnde Identität. Die Kompositionen nehmen Bezug zu hoch- und populärkulturellen Motiven. Häufig blitzen lyrische und tragikomische Momente auf, die gängige Wertvorstellungen mit Verve unterwandern.

 

Durch das Spiel mit diversen stilistischen Verweisen muten die Bilder wie gezeichnete Collagen an und generieren eine Spannung, die den Widerstand gegen gesellschaftliche Erwartungen und stereotypische Codes wiederspiegelt wie auch die damit einhergehenden Gefühle von Unbehagen und Leid. Neben Fragestellungen rund um die Identität umfasst Sabian Baumanns Werk zahlreiche kollaborativ konzipierte, queer- und prosex-feministische Kunstprojekte, die der * Künstler   * mitorganisiert und oft auch initiiert hat. So hat er* u.a. 2008 zusammen mit der Filmemacherin Karin Michalski den Film «Working on it» realisiert. Bei Mark Müller veröffentlicht er* die Edition «An Unhappy Archive». Als kollektives, feministisch-queeres und antirassitisches Projekt rekurriert es auf Sara Ahmed und versammelt  u.a. künstlerische und aktivistische Arbeiten, Texte, Bücher und andere Objekte, die gesellschaftliche Normen von Glück in Frage stellen.   

 

 

 

Galerie Mark Müller, Zürich, bis 15.10      www.markmueller.ch

 

 

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