Doğan Firuzbay — Surface

Während 15 Jahren verweigerte sich Doğan Firuzbay der künstlerischen Tätigkeit. Ursprünglich vom skulpturalen Schaffen herkommend, arbeitet er mittlerweile sehr konzeptuell. Seine bildhaften Installationen eröffnen nun in den Räumen der Gemeindegalerie Benzeholz komplexe Bezugsfelder.

Nähert man sich dem am Vierwaldstättersee gelegenen Kunstraum Benzeholz, wähnt man sich in der idyllischen Landschaft vollkommen eingebettet. Der Eindruck ist teilweise der verspiegelten Eingangsfront der ehemaligen Wasch- und Brennhütte zu verdanken, welche Michelle Kohler (*1981) und Timo Müller (*1980) installiert haben und die bis Ende März bestehen bleibt. Auf die gespiegelte Umgebung reagiert die Installation von Doğan Firuzbay (*1963, Toulouse, lebt und arbeitet in Luzern) mit einem Spiel von Aussen- und Innenraum. In rhythmischen Zyklen projizieren Beamer Fotografien von Hausfassaden mit zahllosen Balkonen aus verschiedenen europäischen Grossstädten grossflächig auf die Wände. In der Präsentation als Mehrfach-Projektionen entsteht durch den Multiplikationsfaktor eine Art Kaleidoskop. Im Dachgeschoss sind die Fensterflügel entfernt und hängen baumelnd, jeweils an einem Stahlseil befestigt, von der Decke herunter. Die jetzt offenen Luken lassen Wind und Winterkälte herein. Blaues Scheinwerferlicht wirft die Schattenwürfe der Fenster in die Dachschrägen, die im Unterschied zu den digitalen Projektionen in den unteren zwei Stockwerken lediglich als simple Projektionsformen wahrnehmbar sind.

Die Bilder der Häuserfassaden eröffnen durch ihre Perspektive, Ausschnitte oder die Wiederholung von Formen und Körpern malerische und plastische Momente. Hier wird die Auseinandersetzung von Firuzbay mit der abstrakten Malerei deutlich, insbesondere dem Suprematismus von Kasimir Malewitsch und dessen Weiterführung in der Plastik von El Lissitzky und den russisch-futuristischen Architekturen. So illustrierte die im Kaskadenkondensator, Basel, ausgestellte Installation «Videogame» von 1995, die aus zwei Basketballkörben, –tafeln und zwei Monitoren bestand, seine Verbindung zur Moderne und zu der gegenstandslosen Malerei auf eine eigene Weise. Durch die Trennung von Basketballtafel und Korb werden das schwarze Quadrat auf weissem Grund von Malewitsch und das Readymade von Duchamp einander gegenübergestellt, und es entsteht ein Spannungsfeld, welches die beiden Protagonisten der Moderne mit der Welt des Sports und dessen Figurationen verbindet.

Charakteristisch für die künstlerische Strategie von Firuzbay ist, dass er von konkreten gesellschaftlichen Dispositionen oder Begriffen ausgeht und diese in ein abstraktes, kunsthistorisches Beziehungsfeld überführt, was gleichzeitig seinem Wunsch nach Selbstentgrenzung entspricht.    

 

Meggen, Benzeholz, Raum für zeitgenössische Kunst, bis 29. März 2015.

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