Art Brut Japan

Die Ausstellung mit Werken von mehrheitlich jungen japanischen Art Brut Kunstschaffenden ist in Zusammenarbeit mit dem Museum im Lagerhaus, Stiftung für schweizerische Naive Kunst und Art Brut, St. Gallen, entstanden, das 2014 eine grosse Show «Art Brut Japan – Schweiz» zeigte. 

Wundersame Arbeiten erfüllen die legendären Räume des Musée Visionnaire, vormals Galerie Lelong, mit animistischem Leben. Die nun hier ausgewählten Positionen sind mit Fotografien über Eijiro Miyama und Shinichi Sawada des renommierten Schweizer Fotografen Mario Del Curto (*1955) ergänzt, die neben dem Film über den Künstler Macoto Toya erstmals gezeigt werden.

Neben Shinichi Sawada, dem Shooting Star der letzten Biennale in Venedig, der nach einer jahrtausende alten Tradition geheimnisvolle Objekte aus Ton einer ureigenen Mythologie formt, sind auch neue Werke japanischer Art Brut zu sehen, die bislang noch nie in Europa gezeigt wurden: Etwa ausdrucksstarke Zeichnungen von Takashi Shuji (*1974) und Kenji Tomiyama (*1957) sowie Hefte von Takuma Uchida (*1982). Während der 1934 geborene Eijiro Miyama in bizarrer Aufmachung durch die Strassen von Yokohama gondelt, fällt in vielen Werken das junge Alter einer Generation auf, die mit Manga und Anime aufgewachsen ist; so etwa die roboterartigen Miniaturkrieger aus Aluminiumbändern von Shota Katsube (*1991). Dagegen sind die meist nackten, genähten Stoffpuppen von Sakiko Kono (*1945) von subtiler Einfachheit, welche eine Parallelwelt ihres Wohnheims bevölkern. Die Städtevisionen mit realen, oft technoiden Versatzstücken von Yuji Tsuji (*1977) und Norimitsu Kokubo (*1995) geben zu bedenken, dass Maschinenträume und technische Systeme sich unabhängig vom kulturellen Hintergrund Asiens oder Europas wiederholt in der Art Brut durchsetzen.

Die Ausstellung vereint fünfzehn autodidaktische Kunstschaffende, deren künstlerische Erfindungskraft sich losgelöst vom Kunstbetrieb entfaltet und in die Schaffung eigenständiger Welten mündet. Im Gegensatz zu Europa, wo sich das Interesse für die Art Brut aus der künstlerischen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte, geniesst in Japan die Art Brut verbreitete Aufmerksamkeit. Dabei wirft die Ausstellung Fragen auf: Ist Art Brut eine universelle Sprache oder bestehen Unterschiede zwischen japanischer und europäischer Art Brut; oder ist der Begriff angesichts der vielfältigen Inspirationen aus dem Internet und der Mangakultur überhaupt noch verwendbar? 

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