Lukas Salzmann. The space between your ears — Spacewoman. Neue Malerei

Eine schwarze, ganz in Gelb gekleidete Frau trägt ein mächtiges Hirschgeweih auf dem Kopf und blickt melancholisch in unbestimmte Fernen oder vielmehr in sich hinein. Ein anderes Bild zeigt eine Blondine in Rückenansicht durch einen Tüllvorhang blicken und erinnert an eine scheinbar bekannte Szene aus einem B-Movie der Fünfziger- und Sechzigerjahre. Frauen in langen und wehenden Kleidern tanzen einen Reigen in einer Waldlichtung, die in diffuses Licht getaucht ist. Immer wieder trifft man auf Landschaften, die in romantisch anmutender Manier gemalt sind und im Werk von Lukas Salzmann vorherrschen.

Der Künstler verankert das traditionelle Medium Malerei in der multimedialen und digitalen Gegenwart. Um sich mit Aussage und Wirkung der allgemeinen Bilderflut auseinanderzusetzen, bedient er sich bei den Medien und verwendet eine seit langem entwickelte Arbeitsweise. Aus Magazinen, Reisezeitschriften oder Zeitungen reisst er Seiten heraus, klebt sie direkt auf die Leinwand oder er fotografiert Szenen aus Youtube-Werbe- oder Spielfilmen direkt ab Computer und lässt sie auf Leinwand drucken. Die Vorlagen übermalt, verfremdet und vertieft er und verbindet gleichzeitig die Bildebenen. Oft verschwindet dabei die Vorlage fast ganz unter dicht gesetzten, kräftigen Pinselstrichen. Zuweilen bleibt ihr Ursprung unter einem leichten Farbauftrag noch erahnbar oder manifestiert sich unverblümt wie die Abbildung einer in der Luft schwebenden Frau. Zuweilen inspiriert die Vorlage den Künstler, andere Akzente zu setzen, sodass der/die BetrachterIn nicht mehr weiss, was noch original ist oder was schon gemalte Fortsetzung der Vorlage. Immer wieder erkennt man in der Bildmitte einen weissen Fleck, der von einem gleissenden Blitzlicht herrührt. Wohl mag man an eine Referenz an die Fotografie denken, gleichzeitig suggeriert der blinde Fleck etwas Geheimnisvolles; besonders wenn es sich bei den gewählten Szenen um kaum erkennbare Ausschnitte handelt. Indessen eröffnen sich Gefühlsräume und Seinszustände oder Erinnerungen. In der Vorliebe für archaische Momente beschwört Lukas Salzmann mit dem Tierhaften den Einbruch des Irrationalen in unsere scheinbar wohl kalkulierte Welt.

Im Grunde genommen ist das Übermalte nicht als Vorlage relevant, sondern nur als Untergrund. Als Ausgangspunkt erleichtern die Fotografien und Medienbilder dem Künstler den formalen Ansatz, helfen ihm gewissermassen, den Horror vacui vor der leeren Leinwand zu überwinden. Mithilfe des medialen Bilderfundus’ lässt sich Lukas Salzmann von Assoziationen und Stimmungen leiten, während ihn wesentlich der Malprozess interessiert. Es fällt auf, dass die Malweise eines fast jedes Bildes verschieden ist. Mal herrscht ein vibrierender, impressionstisch anmutender Pinselduktus vor, mal ein pointillistischer Stil, der zuweilen entfernt an Giovanni Segantinis Malweise erinnert. Gewisse Figuren überraschen mit einer fotorealistischen Darstellung; dem gegenüber kippen andernorts Landschaftsstücke in die Abstraktion. Das Spiel auf der Klaviatur der Stile scheint Strategie zu sein, welches sich im Abbild der medialen Vielfalt gleichsam spiegelt. Trotz ihrer Präsenz eignet den Kompositionen etwas Ephemeres an, das den Wandel als einzige Konstante im Leben behauptet.

 

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