Mette Stausland

Grossformatige all-over-Kompositionen auf Papier mit geometrischen, seriell angeordneten Formmustern in Op-Art-Manier zeigen je nach Blickwinkel differierende optische Wirkungen. Bald mahnen sie an Flugaufnahmen von Agrarlandschaften, bald an Mosaike oder Teppichmuster.

Mette Stausland (*1956, Kristiansand, Norwegen) setzt mit dem Kohlestift in unterschiedlicher Stärke und mit wechselndem Druck minuziös unregelmässige, senkrechte Linien, die von waagrechten Wellenlinien gekreuzt werden und Felder bilden. Einige sind mit Grafitstift ausgefüllt, andere leergelassen. Es entsteht ein flirrendes Gitterwerk von schwarzweissen und blauen Rechtecken und Quadraten. Stellenweise kollagiert die Künstlerin unregelmässig beschnittene Blätter mit derselben repetitiven Musterung, die auch Prinzipien des Minimalismus verrät. Daher scheinen die Zeichnungen zu pulsieren, zu vibrieren, und sie entfalten eine enorme Tiefenwirkung. Gegenüber diesen, in alle Richtungen auseinanderdriftenden Muster konstituieren kleinformatige, intime Zeichnungen einen ruhigen Pol. Diese stellen entweder in sich geschlossene Formen oder schmale Innenräume dar, die durch konzentrisch sich ausbreitende, buchtende, ovalförmige Wellenlinien definiert werden. Andernorts meint man etwas unbeholfen hingekritzelte Stadtpläne aus der Vogelperspektive vor sich zu haben. In der Tiefe sind noch verblasste Strukturen von Linienverstrebungen erkennbar; jedenfalls sind die Linien sehr eigenständig und heben sich vom durchscheinenden Grund deutlich ab. Mette Stausland radiert gewisse Liniengeflechte wieder aus, um andere hervorzuheben. Den Effekt der übereinander lagernden Ebenen erzeugte sie vor einigen Jahren mit Überdrucken; über die Zeichnung legte sie zart gedruckte Monotypien, welche die Linien verblassen und sie gleichzeitig hervorheben lassen.

Der freie, leichte, tanzende Strich von Mette Stausland, der Räume in Form von Bewegung erfasst und auslotet, erinnert an ihre ursprüngliche Tanzkarriere, die 1978 durch einen Beinbruch abrupt beendet wurde. Die Dynamik des Tanzes, dessen transformative Sprengkraft, das Sichtbarwerden eines innerlichen Bewegtseins in der Spannweite zwischen fest einstudierter Körperkontrolle und Tanzekstase lebt in den konträren Positionen der Arbeiten zwischen Expansion und Konzentration, «zwischen Leere und Fülle», «zwischen Öffnen und Verschliessen des Bildraums» weiter.

 

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