Andrea Batorfi – A Journey Through the Inward Eye

Die Ungarin Andrea Bátorfi ortet in Naturphänomenen geistige Kräfte, die sie im Prozess des Fotografierens und anschliessender Weiterbearbeitung aufspürt und als innere Grenzenlosigkeit erlebt. Nun zeigt sie bei Annamarie Anderson magisch wirkende Fotosequenzen und als Ergänzung eindringliche Videoarbeiten.

Wie kann die Essenz der geistigen Welt in der Sprache der Kunst oder des Films erfasst werden? Andrea Bátorfi (*1967, Budapest) hat im fotografischen Ablichten von Wasser und Licht ein Medium gefunden, das sie mit allem Sein in Verbindung bringt. Seit über zehn Jahren hält sie die sich ständig verändernde, spiegelnde Wasseroberfläche der Donau, Lichtreflexe und Baumstämme oder Laubdetails fest. Die Sequenzen verwandelt die Künstlerin mittels Mehrfachbelichtungen, Spiegelungen, Schneiden und Umstellungen; lässt sie in transparenten, übereinander gelegten Folien verschmelzen und verleiht ihnen so eine tiefere Dimension. Damit zaubert sie Energiewirbel hervor, die den von Henri Bergson geprägten Begriff «Élan vital» evozieren. Dieser bezeichnet eine schöpferische Entwicklungstendenz, die biologischen Lebensprozessen innewohnt. Die teilweise in Lichtboxen präsentierten Fotoprints haben den Anschein von Botschaften aus einer okkulten Welt. So wähnt man bald ins Innere eines Wasserstrudels, bald einer Kristallgrotte, bald einer an Gaudis Sagrada Familia erinnernden Kathedrale zu blicken. Jedenfalls geht von ihnen ein überirdisches Licht aus oder ein aus der Tiefe aufkeimendes Glimmen, das die Konturen der symmetrisch angeordneten Kompositionen aufzulösen oder erst zu konstituieren scheint. Bei genauerer Betrachtung treten da und dort Götter- und Buddhafiguren aus den Lichtkaskaden hervor. Sie stehen wohl für Kräfte, die das organische pulsierende Leben unterhalb der Hülle von Dingen sichtbar machen.

Seit sich die Künstlerin oft in der Schweiz aufhält, erfasst sie mit der Kamera die gewaltigen Kräfte der Wasserfälle. Es entstehen Fotoserien der Aareschlucht, der Reichenbachfälle und des Rheinfalls. Was sie während des Arbeitsprozesses sieht, ist nur ein kleiner Teil des kreativen Prozesses. Dies beunruhigt sie nicht, denn sie fühlt sich im Fluss, als Teil des aller Schöpfung innewohnenden Lebensstroms. Die Bildfolgen offenbaren die Vergänglichkeit der scheinbar stabilen Formen, deren Strukturen in der äusseren und inneren Welt unabwendbar dem Zerfall ausgesetzt sind. In der Videoarbeit «Swiss Flow», 2014, sieht man in Aufhebung der Schwerkraft den Reichenbachfall in die Höhe schiessen, zu dessen Seiten das wogende Wasser des Rheinfalls in entgegengesetzter Richtung strömt. Dieses supranaturale Phänomen veranschaulicht eine Art Kommunikation der Künstlerin mit geistigen Kräften, mit denen sie sich vereinigt fühlt und die ihr helfen, «sich dem gemeinsamen Urgrund der Seele zu nähern».

 

Galerie Annamarie M. Andersen, Zürich, bis 18.7.

 

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