Hanna Roeckle. Configurations in Flow. Werke 2005-2014

Die Werke von Hanna Roeckle pendeln von Malerei zu Skulptur und zu Rauminstallation. So wenn die einzelnen Holztafeln aufgrund ihrer Tiefe von 6 cm den Charakter eines Objekts annehmen, oder wenn die farbigen Bildtafeln ununterbrochen aneinander gereiht und an der Wand fixiert sind. Je nach Betrachterstandpunkt kippen sie vom Zwei- ins Dreidimensionale und facettieren den Raum auf diese Weise auf. Indem die objekthaften Holztafeln bald flach, bald stumpfwinklig miteinander verbunden und zwischen ihnen noch Fugen erkennbar sind, ergibt sich eine reliefartige Wirkung. Mit den Türmen schliesslich wird die Malerei mit einer Raum erobernden Geste in die Architektur integriert.

 

 

Hanna Roeckle bewegt sich nicht nur zwischen den kunsthistorischen Gattungen und architektonischen Strukturen, sondern arbeitet auch zwischen Bewegung und Statik. Während dieses Prozesses materialisiert sie an einem für sie stimmigen Zeitpunkt ihre Werke. Dies zeigt sich jeweils daran, dass die farbigen Oberflächen einander ständig abwechseln, und die Werke zwischen den Gattungen oszillieren. Dem entsprechend wird man auch als Betrachter in den latent wandelbaren Bildwerdungsprozess einbezogen. Etwa indem die rasterartigen Kompositionen ihren formalen und farblichen Reichtum nur allmählich enthüllen. Ähnliches geschieht, wenn man die turmähnlichen Objekte umschreitet. Dann verändert sich sowohl die Wahrnehmung als auch das Wahrgenommene und die Rauminstallation wird als wechselndes Bild-Farben-Gefüge sicht- und erfahrbar.

 

Gleichzeitig können die rasterartigen Gebilde mit ihrem System von farblich äusserst divergenten und netzartigen Formationen als abstrahierte Stadtbilder gelesen werden. Vor dem Hintergrund dieser Lesart entpuppen sich die flexiblen Anordnungen und irgendwann gesetzten Kompositionen als offene Stadt, die sich durch Erweiterungen und Wachstum auszeichnet. Dabei würden die Leerstellen in den Werken einem «dialogischen Stadtmodell» entsprechen, wie es von Paul Hofer und Bernhard Hoesli vor dreissig Jahren in die Städtebaudiskussion eingebracht worden ist. In seiner unverminderten Aktualität kennzeichnet es nämlich einen Städtebau, in dem nicht nur die Baukörper, sondern auch der zwischen ihnen entstehende, öffentliche Aussenraum gestaltet werden muss. Gemäss dieser Interpretation findet das in Brachen schlummernde, innovative Potential für städteplanerische Visionen in Roeckles Werken ein modellhaftes Gegenstück.

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