Eric Steinbrecher

Erik Steinbrecher — Books & Prints
Der Schweizer Künstler Erik Steinbrecher verweigert sich einer persönlichen Handschrift. In Kippenbergerscher Manier unterläuft er Stile und Haltungen, wenn er triviale Bilder fragmentiert und zu rätselhaften Displays zusammenstellt. Nun sind seine Drucksachen erstmals in der Schweiz präsentiert.

 

 

 

 

 

Zürich — Irritierend, dass kaum jemandem der letztlich signifikante Unterschied auffällt: Ein beidseitig bedrucktes Plakat zeigt das Matterhorn in zwei verschiedenen Perspektiven: einmal in seiner ikonenhaften Pyramidenform und das andere Mal als gerade aufgerichtete Bergspitze dank einer Ablichtung in Schräglage. Auf diese Weise appropriiert und verfremdet Erik Steinbrecher (*1963, Basel, lebt in Berlin) Bilder, die er fotografiert oder sammelt auf seiner unermüdlichen Jagd nach Bildern, die in einem Bildarchiv aufbewahrt werden. Es bildet die Quelle seiner Grafiken, Fotoinstallationen, Videos, Skulpturen sowie Werken im öffentlichen Raum. Mit den Bildern erzeugt Steinbrecher unentwegt Künstlerbücher, Broschüren und Hefte, die mitunter in seinem eigenen Verlag «rakete.co» erscheinen. Zur letztjährigen Ausstellung in Basel «100 Jahre Meret Oppenheim — Das Geheimnis der Vegetation» steuerte er eine Installation aus künstlichen Rasenziegeln bei, die auf dem Boden des Rheins unterhalb der Münsterfähre platziert war. Gleichzeitig diente ihm das Motiv zur Gestaltung des Ausstellungsplakats. Sein Beitrag bezog sich auf eine Postkarte von Marcel Duchamp an Meret Oppenheim folgenden Wortlauts: «Voici un objet manufacturé pour une exposition eventuelle au fond de la mer».

Der diplomierte ETH-Architekt zählt zu den Künstlern, die eine Typologie der Welt in Bildern entwickeln. Eine Reihe von plastischen Werken und Drucken, die stets eigenständige Kunstwerke sind, stehen in einem architektonischen Zusammenhang. So wenn beispielsweise industriell hergestellte Bauteile aus dem Baumarkt durch Sampeln zu eigenartigen Konstrukten transformiert werden. Seit kurzem verwendet der Tausendsassa für seine plastischen Arbeiten auch Lebensmittel, zumal er über die Essgewohnheiten die unterschiedlichen Kulturen beobachtet. Beispielsweise verwendet Steinbrecher für die Gussmodelle seiner Plastiken Brote, die ein Bäcker eigens formt; oder er fabriziert aus tausend Berliner Buletten und einer in Aluminium gegossenen Doppelbaguette eine Installation.

In der wohl disponierten Ausstellung werden die visuell ebenso rätselhaften wie witzigen und schnell produzierten Künstlerbücher in einem Spannungsbogen zu den Künstlerplakaten, namentlich dem DSR (Deutsche Städte Reklame), dem 8-teiligen Plakat zur documenta X 1997, sowie der Serie mit Fahrradtrikots gezeigt. Sie werfen in der Spannweite von poetischen über absurden zu ekelerregenden Sujets, welche die gegenwärtigen Bildwelten beherrschen, die Frage nach dem Authentischen auf. Graphische Sammlung der ETH Zürich, bis 13.4.  Dominique von Burg

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